Kann eine Kartenlegung auch mal danebenliegen?
Ja, und ich finde, das gehört gesagt.
Es gibt zwei verschiedene Arten, wie eine Legung danebengehen kann, und die werden oft in einen Topf geworfen.
Die erste hat mit der Sache selbst zu tun. Die Karten zeigen, wohin es geht, wenn alles so weiterlĂ€uft. Dann kĂŒndigt jemand seinen Job, ein GesprĂ€ch fĂ€llt anders aus als gedacht, du triffst eine Entscheidung, die vor zwei Wochen noch nicht im Raum stand. Und schon stimmt das Bild nicht mehr. Das ist fĂŒr mich kein Fehler der Karten, das ist der Sinn der Sache: Es steht eben nichts fest. WĂ€re alles unabĂ€nderlich, könnte ich dir auch nicht helfen, etwas zu Ă€ndern.
Die zweite Art ist unbequemer, und ĂŒber die spricht kaum jemand: Eine Deutung kann falsch sein. Karten sind Bilder, und Bilder muss jemand lesen. Ich lege sie seit ĂŒber dreiĂig Jahren, aber ich bin ein Mensch. Ich kann eine Nachbarschaft zu stark gewichten. Ich kann etwas auf deine Beziehung beziehen, was in Wahrheit deine Arbeit meint. Das passiert nicht oft, aber es passiert, und ich sage dir dann lieber, dass ich mir bei einer Stelle nicht sicher bin, als sie glattzubĂŒgeln.
Deshalb höre ich im GesprĂ€ch auch auf dich. Wenn du sagst âdas passt fĂŒr mich ĂŒberhaupt nichtâ, dann ist das keine Störung, sondern ein Hinweis. Vielleicht habe ich das Bild anders eingeordnet, als es gemeint war. Vielleicht fehlt auch nur ein StĂŒck Zusammenhang, das du kennst und ich nicht. Sag es lieber, als es höflich stehen zu lassen.
Was ich daraus fĂŒr meine Arbeit ableite: Ich sage dir keine Zukunft zu. Ich sage dir, was ich sehe, und woran ich es festmache. Was du damit machst, bleibt bei dir.
Stand: 9. September 2026
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