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Dein Herzblick Tanja Kasper

Trennung,
und jetzt ?

18. August 2026

„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll."

Diesen Satz höre ich öfter als jeden anderen. Und er ist meistens wörtlich gemeint. Nicht als Floskel, sondern als Zustand: Da sitzt jemand seit Wochen abends am Küchentisch, will endlich mal irgendwas regeln, und steht zwanzig Minuten später wieder auf, ohne etwas getan zu haben.

Das hat nichts mit Schwäche zu tun. Das ist, was der Kopf macht, wenn zu viele Fäden gleichzeitig offen sind. Er sucht sich den nächsten und lässt ihn wieder fallen, sucht sich den nächsten, lässt ihn fallen. Nichts wird fertig. Und weil nichts fertig wird, wächst das Gefühl, dass gar nichts mehr geht.

Deshalb ist das Erste, was ich mache, nicht reden. Sondern sortieren.

Ich bitte darum, mir einfach alles zu erzählen, was gerade lastet. Ungeordnet, so wie es kommt. Und ich schreibe mit. An einem Abend klang das zum Beispiel so:

Sie will mich finanziell fertigmachen. Ich weiß nicht, ob ich die Wohnung halten kann. Meine Kinder melden sich nicht. Ich versteh bis heute nicht, warum sie gegangen ist. Ich schlafe seit Wochen nicht durch. Was, wenn sie den Kindern erzählt, ich sei schuld? Der Anwalt kostet auch noch Geld. Ich schäme mich vor den Kollegen.

Acht Sätze. Im Kopf fühlt sich das an wie ein einziger schwarzer Block.

Dann drehe ich das Blatt um und mache drei Spalten. Gefühle. Geld. Kinder. Und wir gehen jeden Satz einzeln durch: Wo gehört der hin?

Der interessanteste Moment kommt immer beim ersten Satz. „Sie will mich finanziell fertigmachen" wo gehört der hin? Zum Geld, klar. Aber wenn man genauer hinschaut, stecken da zwei völlig verschiedene Dinge drin. Die Frage, was er tatsächlich zahlen muss, ist eine Rechenaufgabe. Die beantwortet ein Anwalt in einem Termin, mit Zahlen, fertig. Und das Gefühl, von einem Menschen verraten zu werden, mit dem man zwanzig Jahre gelebt hat das ist etwas ganz anderes. Das rechnet niemand aus. Das gehört in die linke Spalte.

Solange beides ein Klumpen ist, ist es unlösbar. Getrennt ist plötzlich das eine eine Aufgabe und das andere ein Gefühl. Und beides darf man unterschiedlich behandeln.

Am Ende steht kein Berg mehr da, sondern drei Stapel. Für zwei davon gibt es Zuständige wie Anwälte, Beratungsstellen, Menschen, die rechnen können. Das sage ich früh und deutlich, weil es entlastet: Zwei Drittel muss er gar nicht selbst tragen.

Der dritte Stapel bleibt bei uns. Da geht es ums Schlafen, ums Aufhören mit dem ständigen Aufs-Handy-Schauen, um die Frage, was man Kindern schreibt, die sich nicht melden.

Die Situation hat sich durch so eine Stunde um keinen Millimeter geändert. Aber der Satz am Ende ist ein anderer als der am Anfang. Er heißt dann meistens: „Ich weiß jetzt, wo ich anfange."

Wenn Du dich in diesem Artikel erkennst, schreibe mir und wir schauen in einem kurzen Gespräch ob es passt und ob ich dir helfen kann.

In Liebe Tanja

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