Du bist nicht verrückt
26. Juli 2026
Ich war dreißig Jahre verheiratet.
Drei Kinder. Höhen und Tiefen, wie das so ist. Aber unsere Ehe war für mich normal. Sie war mein Leben.
Und dann war da eine andere.
Von einer Minute auf die andere war alles weg. Nicht nur mein Mann. Er war ja auch mein bester Freund.
Ich weiß noch genau, wie sich das angefühlt hat. Völlig leer und gleichzeitig, als hätte mir jemand bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen.
Wir waren zu der Zeit ausgewandert. Ich stand also nicht nur ohne ihn da, sondern in einem Land, in dem ich plötzlich nichts mehr zu suchen hatte. Ich wollte nur eins. Nach Hause zu meinen Kindern.
Und dann habe ich lauter Dinge gemacht, für die ich mich geschämt habe
Ich habe ihn angerufen. Öfter, als ich zugeben möchte.
Ich habe Nachrichten geschrieben, die ich fünf Minuten später bereut habe. Und dann habe ich die nächste geschrieben.
Ich habe alte Bilder angeschaut. Stundenlang. Ich habe genau gewusst, dass ich mich damit nur selbst verletze, und ich habe es trotzdem gemacht.
Ich habe gebettelt, er soll mir doch bitte einfach die Wahrheit sagen. Und er hat weiter gelogen, obwohl es längst alle wussten.
Ich habe meiner Freundin und meiner Tochter zehnmal am Tag dieselbe Geschichte erzählt. Ich habe genau gespürt, dass es zu viel für sie war. Ich hatte ja sonst niemanden.
Und jedem, der nicht meiner Meinung war, habe ich die Freundschaft gekündigt.
In mir war so ein Hass. Ich habe ihn gehasst und ihn gleichzeitig zurückgewollt. Am selben Tag, manchmal in derselben Stunde. Ich hätte alles dafür getan, dass er wiederkommt. Alles.
Und ja, ich habe auch bei den Hotlines angerufen
Bevor ich reden konnte, wollte ich eine Antwort.
Ich habe Kartenlegerinnen angerufen. Eine nach der anderen. Und ich habe so lange weitergemacht, bis eine gesagt hat, was ich hören wollte.
Alles wird wieder gut. Er kommt zurück.
Das hat ungefähr zwei Tage gehalten. Dann brauchte ich es wieder.
Ich schreibe das hier hin, obwohl ich selbst Karten lege. Gerade deswegen.
Du bist nicht verrückt
Wenn du das hier liest und dich in irgendetwas davon wiedererkannt hast, dann ist das der wichtigste Satz auf dieser ganzen Seite.
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Und es heißt nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.
So verhalten sich Menschen, denen gerade der Boden weggezogen wurde. Alle. Auch die, die dir hinterher erzählen, sie seien ganz ruhig geblieben.
Was ich damals gebraucht hätte
Jemanden, der nicht müde wird.
Meine Freundin hat zugehört. Meine Tochter hat zugehört. Beide haben es getragen, so lange sie konnten. Aber ich habe gemerkt, wann es zu viel wurde, und dann habe ich mich geschämt und trotzdem weitergeredet.
Ich hätte jemanden gebraucht, bei dem ich es hätte erzählen dürfen, ohne jemanden zu verbrauchen.
Und ich hätte jemanden gebraucht, der mir nicht sagt, dass alles wieder gut wird.
Das klingt komisch, ich weiß. Ich habe damals nichts anderes hören wollen. Aber jedes Mal, wenn dieser Satz nicht eingetroffen ist, bin ich tiefer gefallen als vorher. Und ich kam mir zusätzlich dumm vor.
Und jetzt der Teil, der wehtut
Was ich eigentlich gebraucht hätte, war, aufzuhören.
Aufhören, ihn anzurufen. Aufhören, die Bilder anzuschauen. Aufhören, jeden Tag zu prüfen, was er macht.
Ich konnte es nicht.
Niemand hätte mich dazu bringen können. Und wenn es mir jemand gesagt hätte, hätte ich genickt und es abends wieder gemacht.
Deshalb wirst du das von mir nicht hören.
Ich sage dir nicht, du sollst loslassen. Du kannst noch nicht. Ich konnte auch nicht.
Was in dieser Zeit wirklich geht
Nicht aufhören. Nur weniger weh tun.
Die Nachricht darfst du schreiben. Du musst sie nur nicht abschicken. Schreib sie in ein Heft oder in dein Handy und lass sie dort stehen. Das Rauslassen ist das, was du brauchst. Das Abschicken ist das, was dir am nächsten Morgen wehtut.
Die Bilder musst du nicht löschen. Löschen fühlt sich an wie ein zweiter Verlust, und dann holst du sie zurück und es geht dir noch schlechter. Gib sie stattdessen weg. Auf einen Stick, in eine Schublade, zu einer Freundin. Sie sind nicht fort. Sie sind nur nicht mehr in deiner Hand, wenn es abends still wird.
Und das Nachschauen verbietest du dir nicht, sondern du gibst ihm eine Uhrzeit. Einmal am Tag, zehn Minuten, immer zur selben Zeit. Verbote hältst du nicht durch und fühlst dich hinterher schlechter. Eine Uhrzeit hältst du durch.
Das sind kleine Dinge. Sie retten dich nicht. Sie sorgen nur dafür, dass du dich nicht jeden Tag zusätzlich verletzt.
Und mehr geht am Anfang wirklich nicht.
Warum ich das heute anbiete
Weil mir damals genau das gefehlt hat.
Nicht die Freundin, die irgendwann nicht mehr kann. Nicht die Hotline, die mir erzählt, was ich hören will. Und auch nicht die gut gemeinten Sätze von Leuten, die wollen, dass es mir bitte bald wieder gut geht.
Sondern jemand, der das kennt. Der nicht erschrickt. Und der weiß, dass es nicht in vier Wochen vorbei ist.
Wie das bei mir abläuft
Es ist kein einzelnes Gespräch, sondern ein Weg. Er fängt aber mit einem einzelnen Gespräch an, und mehr musst du heute nicht entscheiden.
Am Anfang wird nur zugehört.
Keine Deutung, keine Zahlen. Du erzählst, so lange du willst. Auch wenn du dieselbe Sache zum dritten Mal erzählst. Ich werde nicht müde davon, und du musst dich hier für nichts entschuldigen.
Wenn du die Karten möchtest, lege ich sie dir. Aber nicht auf ihn. Ich lege sie auf dich und auf heute. Wie es dir gerade wirklich geht, was gerade zu viel ist, was dir in dieser Woche helfen würde.
Was er macht, kann ich nicht sehen. Wer dir das erzählt, verkauft dir etwas.
Dann schauen wir uns an, was war.
Nicht sofort. Erst wenn du anfängst, Fragen zu stellen, statt nur zu erzählen. Das merkst du selbst, wenn es soweit ist.
Dann arbeite ich mit meinen Zahlen. Aber rückwärts. Nicht auf einen neuen Mann, sondern auf eure Ehe.
Ich beschreibe dir, was zwischen euch beiden entstanden ist. Und die eine Stelle, an der es all die Jahre gerieben hat. Fast jedes Paar hat so eine Stelle, und die meisten stolpern jahrelang darüber, ohne je einen Namen dafür gehabt zu haben.
Das ist kein Aufwärmen. Es ist das Gegenteil.
Im Moment hast du nämlich nur zwei Erklärungen zur Auswahl. Er ist ein Schwein, oder du hast versagt. Beides ist zu klein für so viele Jahre. Ich gebe dir eine dritte, in der ihr beide vorkommt.
Um Schuld geht es dabei nie. Weder um seine noch um deine.
Dann geht es um dich.
Das ist der Punkt, an dem es aufwärtsgeht. Er kommt, wenn deine Frage sich dreht. Von "warum hat er das getan" zu "wer bin ich eigentlich ohne ihn".
Dann rede ich zum ersten Mal nur über dich. Wie du liebst. Was du in der Liebe eigentlich suchst, denn das ist bei den wenigsten dasselbe. Und wer du bist, wenn es gar nicht um Liebe geht.
Viele Frauen merken an dieser Stelle, dass sie das sehr lange niemand mehr gefragt hat. Sie selbst am wenigsten.
Und irgendwann nach vorn.
Aber nur, wenn du davon anfängst. Nie, weil es dran wäre.
Ganz praktisch
Wir machen das am Telefon. Du brauchst nichts vorzubereiten und nichts aufzuschreiben.
Du bestimmst das Tempo. Wir überspringen nichts und wir ziehen nichts vor. Wenn du in ein paar Wochen sagst, dass es reicht, dann reicht es.
Und noch etwas, das du wissen sollst.
Ich mache das höchstens einmal die Woche mit dir.
Ich weiß genau, dass du am liebsten jeden Tag anrufen würdest. Ich wollte das damals auch. Es hilft dir nur nicht, und ich möchte mein Geld nicht damit verdienen, dass es dir schlecht geht.
Was ich dir nicht sage
Ich sage dir nicht, ob er zurückkommt.
Nicht weil ich es verstecke. Sondern weil diese Antwort dich in beide Richtungen festhält. Ein Ja hält dich am Warten. Ein Nein glaubst du sowieso nicht und rufst woanders an. Ich weiß das, ich habe es selbst gemacht.
Ich nenne dir auch kein Datum. Wenn dir das jemand nennt, leg bitte auf.
Was ich dir sagen kann, ist das hier:
Es wird nicht so bleiben, wie es heute ist.
Ob es mit ihm gut wird, weiß ich nicht. Dass es mit dir wieder gut wird, weiß ich.
Zum Schluss
Ich weiß, wie sich das anfühlt. Nicht aus Büchern.
Ich weiß, wie man sich dabei benimmt und wie sehr man sich hinterher dafür schämt.
Und ich weiß, dass es aufhört. Nicht bald. Aber es hört auf.
Ich freue mich mein Coaching demnnächst anbieten zu können.
In Liebe Tanja
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